ARCANA CAIN

"Mit großem Gemächt gegen die Religion"
Hat der Verfasser dieser Zeilen den Großraum Bayern bisher mit zünftiger Gemächlichkeit oder im besten Fall Stillerischer Sportfreundlichkeit in Verbindung gebracht und eher weniger mit einem vorbildlichen Hardcore Underground, dann möchte er sich hiermit für diese Fehleinschätzung entschuldigen. Einen Beleg für die Neue Bajuwarische Härte haben die Herren Arcana Cain, aus dem idyllischen Städtchen Hof, bereits im Jahr zweitausendundsieben mit ihrem selbstbetitelten Album geliefert und sind inzwischen auf den Bühnen der Großstadtclubs angekommen. Dort, genauer gesagt in Berlin, haben wir sie abgegriffen um Gedanken zu Historie, Gott und aktueller Metalszenerie einzuholen. Zunächst scheint es zumindest für eine Bandgründung von Vorteil zu sein in eher dünn besiedelten Gebieten aufzuwachsen, denn haben sich dort eben jene Jungens gefunden die halt Musik machen, erläutert Shouter Boris kurz und knapp die Anfänge der Kapelle. "Wir haben vorher alle bereits in verschiedenen anderen Bands gespielt und waren untereinander befreundet. Das führte irgendwann zur Gründung von Arcana Cain." Die Richtung, in die es ab diesem Zeitpunkt weitergehen sollte hat sich dabei aus den Vorgängerbands heraus kristallisiert. "Im Großen und Ganzen ist es Screamo-Core, aber wir liebäugeln stark mit Rock N Roll und wollen erst gar keine Klischees bedienen. Zwischen all den Metalcore Bands, die absolut gleich klingen, lassen wir den Metal Anteil eher außen vor. Kein Double Bass Geballer oder dämliches Refrain Zeug. Uns ist das Songwriting sehr wichtig, in der Art Zuckerbrot und Peitsche." Ein gewisses modisches Erscheinungsbild, das scheinbar untrennbar mit jenen musikalischen Gefilden verbunden ist, spielt im arcanischen Universum ebenfalls keine wirklich bestimmende Rolle. "Wir haben schon einiges an Styles kommen und gehen sehen, wir sind schließlich schon eine ganze Zeit dabei. Die interessieren uns einen Scheiß. Sicher, man braucht irgendwie die Kids die so ausschauen und eine bestimmte Richtung verkörpern, das gehört zum Game dazu. Aber wir wollen in dem Sinne gar nicht gefallen oder tödlichst originell wirken und es ist uns auch nicht wichtig, wenn die da stehen, den Finger in die Luft reißen und die Texte mitsingen. Wir machen es und gut ist." Vermutet man nun aufgrund der offensichtlichen Ablehnung einer um sich greifenden My Chemical Romance Seuche, eine politische Ausrichtung im lyrischen Bereich, die nicht zu wenige große Vertreter dieses Genres pflegen, so lässt man sich hier neben den Dramen des täglichen Lebens eher von nicht weltlichen Begebenheiten inspirieren. "Wir sind definitiv keine poltische Band und maßen uns nicht an von Politik wirklich Ahnung zu haben. Religion ist ein Thema. Keiner von uns ist gläubig, das geht mehr in die andere Richtung, aber Satanisten sind wir sicher nicht. Religion richtet in der Welt sehr viel Schaden an, daher sind wir gegen Religion, nicht gegen den Glauben. Natürlich geht es in unseren Texten auch um Dinge, die uns persönlich so auf den Sack gehen." Um ihre Gedanken in die Welt zu tragen, mussten diese jedoch auf oben genanntem Tonträger verewigt werden. Da sich die Fünf Freunde allerdings als zu alt für langwierige Demo-rum-schickerei hielten, wurde direkt für den Zweck einer ordentlichen Veröffentlichung das DIY Label Bad Robots Rise ins Leben gerufen, ein Logo am PC entworfen und auf die Platte gedruckt. "Ein Kumpel hat das Album aufgenommen, daher hatten wir extrem viel Zeit um das Ganze zu gestalten wie wir es uns vorgestellt haben. Das Label haben wir nur gegründet um in den Vertrieb zu kommen. Wir wollten gleich was Richtiges und haben genug Kohle in die Platte gesteckt. Daher wäre es zu schade für ein Demo gewesen."
Scheint alles gut durchdacht gewesen, so hat das Label auf Papier Arcana Cain neben dem Deal mit 'My Favourite Toy' letztendlich zu Shows in den großen Städten Deutschlands verholfen. Die nächsten Ziele sind ganz klar abgesteckt. Viel Live-Erfahrung sammeln und eine Fanbase aufbauen. "Wir haben sonst nur im Heimatkaff gespielt. Da waren vierhundert Leute bei unserer Release Party. Dann haben wir das erste Mal in Köln vor vierzig Gästen zwischen lauter Transvestiten gespielt und es war super, einfach raus zu kommen."
Was gibt es noch hinzuzufügen? Ein neuer Silberling kommt und Boris hat den längsten Schwanz der Welt. Es wurde dem Verfasser empfohlen dies zu erwähnen. Das lassen wir jetzt einfach stehen.
Der Klick gegen das Klischee
www.myspace.com/arcanacain
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