
SIDEWAYTOWN

Nach beachtlichen zehn Jahren kehrte Markus Baltes seinem Projekt "Autumnblaze" den Rücken und steht nun mit "Sidewaytown" in den Startlöchern. Im Gepäck, das mit "Years In The Wall" betitelte Debut. Glotzen statt Kleckern scheint dabei die Maxime gewesen zu sein, denn werden zur näheren Erläuterung der neuen Klangwelten Vergleiche mit Meistern ihres Faches nicht gescheut, sondern jeglichem Interessent in knackigen Worten entgegengebracht. "Can you imagine My Bloody Valentine having breakfast with Sigur Ros and Slowdive, Oceansize and David Lynch talking in the corner." Was denn nun wirklich war und ist, erklärt Markus dann besser selbst.
Markus über "Autumnblaze" versus "Sidewaytown"
Die Gründe für die Trennung von "Autumnblaze" sind sehr vielfältig, aber ich möchte diese nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ausbreiten, da es sich um sehr persönliche Dinge handelt. Es war ein wichtiger Teil meines Lebens, aber irgendwann muss man sich von etwas trennen, um einen Schritt vorwärts gehen zu können. Musikalisch gesehen ist "Sidewaytown" weniger traurig, melancholisch oder selbstbemitleidendend, dafür weltoffener, melodischer, euphorischer. Mancher wird sicher Vergleiche suchen, aber ich sehe es als kompletten Neuanfang und kann von meiner Perspektive nicht beurteilen, ob es noch Schnittstellen zwischen beiden Projekten gibt. Mag wohl daran liegen, dass ich mit "Autumblaze" abgeschlossen habe.
..."Years In The Wall" und die Konzeptionen
"Years In The Wall" als "Umsetzung einer ungewöhnlichen Geschichte" ist recht treffen. Sie handelt von einem jungen Mann, der nicht fühlen und nicht lieben darf, da er ansonsten zum Mörder wird. Das klingt etwas abenteuerlich, bekommt aber durch die Texte und Erläuterungen im Booklet absolut Sinn. Der Albumname ist auf den Protagonisten bezogen, der durch seine erzwungene Emotionslosigkeit zum sozialen Außenseiter wird. Er befindet sich metaphorisch gesehen in einer Wand. Niemand kann ihn sehen und er selbst ist wie eingemauert. Die Geschichte wird auf dem zweiten Album fortgesetzt werden.
...die Soundmaschine
Sämtliche Songs und Texte wurden von mir geschrieben. Bei "Sidewaytown" möchte ich einfach die vollkommene kreative Kontrolle in allen Bereichen haben. Ich bin sozusagen mein eigener Dikator. Musik die ich höre, beeinflusst mich dabei bestimmt auch irgendwie, aber nach so vielen Jahren als Songwriter, weiß ich genau was ich will und lasse mich einfach von meinen Gefühlen leiten. Als Musiker ist es viel befreiender, wenn man sich treiben lässt und sich nicht so verbissen an irgendjemandem orientiert. Man muss sich selber finden und das ist ein langer Weg. Ob man das Ergebnis bei "Years In The Wall" nun Post Rock oder Shoegaze nennt, ist nebensächlich. Ich finde, dass der schwebende, bodenlose Sound mehr Bilder und Gedanken heraufbeschwört. Am Besten beschreibt es wohl ein Fluss, der schwere Steine löst und sie leicht tänzelnd mit auf eine wunderbar bizarre Reise nimmt.
...Missionen und Verarbeitung
Als spirituellen Eiferer sehe ich mich nicht. Es würde mich aber schon freuen, wenn die Menschen nicht nur das esse, was ihnen vorgesetzt wird sondern auch mal von den verstopften Hauptstraßen des Lebens abbiegen, um in einer kleinen Seitenstraße einem armen Liedermacher zuzuhören. Ebenfalls sehe ich in dem Album keinerlei autobiografischen Züge. Es ist schließlich eine komplett erdachte Geschichte, aus der man einen sehr interessanten Film drehen könnte. Aber vielleicht würde ein Psychoanalytiker die Texte untersuchen und mehr über mich herausfinden, als ich es je getan habe.
...die nächsten Ziele
Es stehen noch einige Sachen an. Im November geht es wieder ins Studio, um das nächste Album aufzunehmen. Sehr wahrscheinlich wird es viel experimenteller werden, als "Years In The Wall".
Der Klick zum Träumen
www.sidewaytown.com
